Kapitel 1

21. Dezember 2007

Es war eines dieser Tage an denen man nicht weiß wovon man müde ist von zuviel oder zuwenig Schlaf. Ich war um Mitternacht ins Bett gegangen und musste um 7:25 aufstehen um es noch schnell unter die Dusche zu schaffen bevor ich losmusste. Dasselbe hatte ich damals auf dem Gymnasium auch erlebt und war schon damals ziemlich verzweifelt durchs leben geirrt. Eine ganze Nacht lang meistens mehr als 7 Stunden zu schlafen, wobei man bedenken muss das manch einem auch 6 Stunden Schlaf reichten, um dann festzustellen das man doch wieder kaputt ist. Das war wie zu duschen um dann im Spiegel zu sehen das man doch noch dreckig ist. Mir wurde bange bei dem Gedanken das ich 25 war und immer noch keine lösung dagegen gefunden hatte. Ein derartiges problem schien der vor mir sitzende Junge nicht zu haben. Er stieg zwei Haltestellen nach mir in den Zug ein und hielt es nicht einmal für nötig mich zu Fragen ob der Platz frei ist. Keine Ahnung woher ich diesen Tick überhaupt habe das mich jemand Fragen muss wenn er in meinem 4´er-Sitz platz nehmen will. Dementsprechend war ich mir eigentlich auch nicht selber darüber im klaren wie dieses Prozedere ablaufen sollte wenn nun ein dritter kommt. Sollte er dann in die Runde fragen “wer war hier zuerst” und “bei wem muss ich mich melden”. Das ging doch alles nicht und überhaupt warum machte ich mir Sorgen darüber. Vielleicht war dieser Gedanke der Grund warum ich kaputt und er frisch aussah.
Obwohl es draussen schon seit 2 Stunden hell war hatten sich meine Augen nicht ans Licht gewöhnt. In meinem MP3 Player spielte James Blunt und ich fragte mich nun ob das Lied nicht doch für eine Frau geschrieben war die 1973 geboren wurde. Im Büro angekommen erfuhr ich auch direkt das ein Meeting für 8:45 angesetzt war. Letzte Nacht hatte es einen schrecklichen doppelmord gegeben. In das Haus einer kleinfamilie wurde eingebrochen und das Elternpaar gezielt mit Kopfschüssen getötet. Obwohl jedes Zimmer verwüstet war wurden sehr wertvolle Sachgegenstände wie Goldschmuck nicht mitgenommen. Der Sohn der Familie Jens wurde wahrscheinlich von dem oder den Verbrechern entführt. Lu saß neben mir und versuchte mir klarzumachen das selbst die brasillanische Frauen-Fussballnationalmannschaft gegen die türkischen Männer gewinnen könnte. Schon immer habe ich Arroganz gehasst und jetzt noch von einer Frau in bezug auf Fussball, nein das ging zu weit. Ich holte tief Luft um ihr die nötige Antwort in einem Atemzug um die Ohren zu Schmettern als Nick mich anschrie. Er hatte recht wie konnte ich nur so unkonzentriert und unsentimental sein. Sein Finger deutete auf ein Foto das auf die Wand projeziert wurde. “Wir müssen diesen Jungen finden er ist unsere einzige Chance diesen Fall zu lösen.” tobte er und meine Augen weiteten sich. Würde er mich überhaupt ernst nehmen wenn ich ihm sagte das er vor einer Stunde unfreundlich und lässig mir gegenüber im Zug saß.